Zwischen Tarnkappenbaggern, Temposchwellen und französischer Gastfreundschaft
Pünktlich um neun starten wir in den Tag – und fahren uns auf den ersten Metern direkt das erste Mal fest. Falsche Richtung aus dem Hotelhof, kleiner Umweg, einmal verlegen am Frühstückstisch vorbei zurück auf Anfang. Immerhin: Der Fehler war schnell korrigiert, das Ego blieb mit leichten Kratzern zurück.

Nach knapp einem Kilometer dann der Einstieg in die Route – zunächst über eine Strecke, die vermutlich als Testgelände für geländegängige Postkutschen gedacht war. Zulässige Höchstgeschwindigkeit: 10 km/h. Effektiv möglich, ohne Schäden an Frontsplitter oder Stoßdämpfern: knapp 18. Die Exige und der Boxster rollen vorsichtig, aber entschlossen über den zerbröckelten Asphalt.
Grenzerfahrung

Der Grenzübergang nach Frankreich fällt eher unspektakulär aus. Auf einem verwachsenen Waldweg werden wir per Schild freundlich aufgefordert, uns im nächsten Ort bei der Polizei zu melden. Wir entscheiden uns für die Variante „beim nächsten Mal“ – und fahren weiter in Richtung Bitche.
Dort erwartet uns eine Mischung aus verlassenem Kasernengelände, ehemaliger Militärromantik und ein Hauch von GTA V. Tarnkappenbagger inklusive. Dass man uns dort beim Abbiegen die Vorfahrt nimmt, überrascht niemanden mehr.
Mazda, Mittag und Mechanik
Hinter dem ersten Pass schließt ein junger Fahrer in einem Mazda MX-5 auf. Offenbar neugierig geworden, hängt er sich an uns – bei der nächsten Tankstelle kommen wir ins Gespräch. Großes Interesse an den Autos, höflich, unaufgeregt.
Ob er uns ein Stück begleiten darf? Klar. Als er am nächsten Pass mit beeindruckender Präzision an uns dran bleibt, kommt kurz der Gedanke: Undercover-Polizei?
Seine Antwort: ein klares Nein.
Unsere Einschätzung: einer der besten unbekannten Fahrer, die uns bislang begegnet sind.

Zum Mittagessen gibt es Döner – die Roadtrip-Küche bleibt international, aber zweckmäßig.
Wenn der Lotus dicht macht
Der Lotus bleibt dem Thema „klassische englische Fahrzeugbaukunst“ treu: Heute klemmt der Kofferraum – ausgerechnet dort, wo das Verdeck verstaut ist.
Die Exige bleibt beim Mittagessen offen, als es langsam nach Regen aussieht. Doch: Glück gehabt. Der Passagierfußraum bleibt trocken.
Nach dem Essen gelingt es, den Kofferraum zu öffnen. Das Verdeck wandert anschließend aus Gründen der Praktikabilität in den Fußraum des Beifahrers. Man arrangiert sich.

Col de la Schlucht – Theorie und Praxis
Der „Geheimtipp“ des Tages: Col de la Schlucht. In der Theorie eine fahrerische Perle. In der Realität ein Ort, den offenbar alle Geheimtipp-Verwerter im Umkreis von 500 Kilometern auf dem Zettel hatten. Zusätzlich beginnt es am Fuß des Passes zu regnen. Die Fahrbahn nass, die Stimmung gedämpft, das Tempo reduziert. Kein Highlight – zumindest nicht für uns. Nicht heute.

Temposchwellen und Täuschungen
Ein durchgehendes Thema des Tages: Temposchwellen. An allen möglichen und unmöglichen Stellen zwingt uns diese bodennahe Betonpädagogik zu schrägen Überfahrten mit unter 3 km/h.
Für unsere Autos eine Herausforderung – für die hinter uns wartenden Franzosen im Clio vermutlich ein Rätsel.

Der große See und das kleine Nichts
Seppo freut sich den ganzen Tag auf einen türkisblauen, einsamen Gebirgssee der gegen Ende des Tages am Wegesrand liegen soll. Die Badehose wird schon mal hervorgekramt und wir lassen dafür sämtliche andere Sehenswürdigkeiten aus. Die Enttäuschung ist groß: ein trüber Stausee, überlaufen, vermüllt, ohne Zauber. Wir essen ein Eis und fahren weiter. Immerhin: wieder ein Running Gag mehr.

Landschaft und Langsamkeit
Die Landschaft nehmen wir heute etwas bewusster wahr. Teils, weil wir im Verkehr hängen, teils, weil sie tatsächlich sehenswerter wird. Täler, Felsen, Wälder – das Auge bekommt mehr zu tun als am Vortag.

Abendliches Highlight

Unser Hotel in Saint-Maurice-sur-Moselle entpuppt sich als echter Glücksgriff: eine alte Villa, die liebevoll zum Hotel umgebaut wird. Die Gastgeber – ein sympathisches Paar – servieren uns ein Abendessen mit lokalen Spezialitäten. Es gibt Hühnchen (in der Vorwoche vom Fuchs erledigt), reichlich Käse und guten Wein.
Gemeinsames Essen mit den Gastgebern und einem britischen Pärchen – ein entspannter, ehrlicher Abschluss.

Später im Gamesroom noch eine kleine Runde Airhockey und Dart. Zwischen Traktionskontrolle und Temposchwellen mal wieder ein Moment, in dem man nichts muss – außer genießen.

Fazit des Tages: Schöne Strecken sind am Wochenende selten ein Geheimtipp … Morgen wartet erst mal ein wenig Regen auf uns – aber wir hoffen auf weniger Vekehr … da Wochentag.
Hört sich ja fast nach “Totalschaden” an, wenn du zurück kommst ?? Weiterhin viel Spaß ??