„Ich kann riechen, wenn Du Vollgas gibst.“
Pünktlich um zehn ging’s los – zumindest theoretisch. Praktisch haben wir uns nach exakt acht Kilometern das erste Mal verfahren. Grund: Die Route von Tag 3 war noch im Navi aktiv. Navigationstechnisch also gleich mal mit Vollgas in die Zukunft gefahren.
Aber: Glück im Timing-Desaster. Denn die spontane Abkürzung bescherte uns eine Stunde Zeitgewinn – was sich später als Segen herausstellte, als wir unser Hotel exakt 30 Minuten vor Küchenschluss erreichten. Ohne Umweg also kein Bier. Und ohne Bier kein Roadtrip.
Kilometer mit Haltung
Die Route? Ein echtes Brett. Die Route? Ein Meisterwerk. Von den 412 Kilometern waren gefühlt 400 Kilometer voller Qualitätskurven.
Kaum Verkehr, bestes Wetter, und das Thermometer konstant unter „Motorschaden“. Die Straßen? Kurvig, griffig, fordernd. Aber immer unterhaltsam.

Sperrungen? Nur Vorschläge
Streckensperrungen? Ja. Viele. Aber wir haben eine kreative Beziehung zu Verkehrsschildern.
Besonders erinnerungswürdig: Eine „Durchfahrt verboten“-Zone, die wir beherzt ignorierten, nur um wenig später über eine „Anlieger frei“-Schotterpiste zu kriechen. Dort bewegte sich die Exige mit der Präzision eines Bombenentschärfers – schließlich war der frisch montierte Frontsplitter noch in Originalform und sollte es auch bleiben.
Besonders angenehm: Die freien Straßen ermöglichten einen klaren Rhythmus. Nur gelegentlich mussten wir uns für VW Passats mit Anhänger eine Pause gönnen – der sportlich gemeinte Abstand hätte sonst zu peinlichen Überholmanövern geführt.
Pause mit Perspektive
Boxenstopp in Adenau, mit Blick auf den Nürburgring. Touristenfahrten, wohin das Auge reicht. Statt sich in die Schlange einzureihen, gab’s bei uns nur Schauen, Kaffeetrinken und die Gewissheit: Unsere Strecke ist schöner. Und länger. Und günstiger.


Mittagspause in Zell an der Mosel. Pizza, Cola, Sonnenstrahlen. Und die Beobachtung, dass ganze Personengruppen um Punkt zwölf schon voll wie der Tank waren. Wir haben’s sportlich ignoriert – wir hatten ja noch was vor.
Maschinen mit Eigenheiten
Der Boxster? Ein Muster an deutscher Ingenieursvernunft. Präzise, kultiviert, mit dem souveränen Charme eines Fahrzeugs, das nicht erklären muss, sondern liefert.
Die Exige? Radikal, rau, kompromisslos. Und etwas launisch: Nach etwa 50 Kilometern entschied sich ihre Traktionskontrolle spontan zur Frühverrentung – direkt nach einem etwas ambitionierten Herausbeschleunigen aus einem Kreisverkehr. Seitdem: keine Assistenz, kein Problem.
Ein weiteres Phänomen: Wenn die Exige vorausfährt, riecht man im Boxster, wenn Vollgas gegeben wird – und zwar eindeutig nach Benzin. Das ist keine Metapher. Das ist mechanische Wahrheit, die sich ihren Weg durch den Fahrtwind bahnt.
Abschluss in Ludwigswinkel

Ankunft am Hotel mit glücklichem Timing. Noch 30 Minuten bis Küchenschluss, also schnell Pizza bestellt, Bier dazu, fertig. Roadtrip-Kulinarik in Bestform.
Fotos? Kaum gemacht.
Natur? Sicher schön.
Aber: Die Erinnerung spielt sich irgendwo zwischen Drehzahlmesser und Querbeschleunigung ab. Alles andere war irgendwie … Deko.
Statistik zum Abschluss
- Ankunft: 30 Minuten vor Küchenschluss. Mission Pizza erfolgreich.
- Essen: Pizza. Bier. Fertig.
- Tankstopps: Zwei
- Fotos: Gefühlt zwei
- Natur: Vermutlich schön. Links und rechts huschte sie vorbei wie Hintergrundgrafik in einem Arcade-Racer.
- Querbeschleunigung (Boxster): Maximal gemessen: 0.9 g. Die 1.0 bleibt das Ziel.
Fazit: Der erste Tag hat geliefert. Asphalt, Adrenalin, Anekdoten – und eine Traktionskontrolle weniger. Wir freuen uns auf morgen.