Kurven, Kaffeeduft und die Erkenntnis des Tages
Der Wecker klingelt ungewohnt früh. Frühstück gibt es nur bis 9 Uhr – und das wird in unserem kleinen Hotel in Kleinblittersdorf offenbar sehr genau genommen. Es passt gut: Heute steht die Rückreise an, und allzu spät ankommen wollen wir ohnehin nicht.

Die Etappe ist mit knapp über 300 Kilometern vergleichsweise kurz. Dennoch zeigt sich schnell: Ein guter Routenplaner kann nicht zaubern – und Kurviger ist auch nicht allmächtig.
Wenn aus “kurvig” einfach nur kleinteilig wird
Schon kurz nach dem Start werden wir erneut durch eine Reihe von Wohngebieten geleitet. Kurvig, ja – aber eben nicht im Sinne von fahrerisch reizvoll. Sobald die Strecke aus dem gebirgigen Bereich herausführt, bleibt von der Fahrfreude wenig übrig. Der Plan steht fürs nächste Mal: Solche Transferabschnitte besser direkt auf die Autobahn verlagern, um die interessanten Strecken gezielt anzusteuern.
Verdeck auf – aber mit Maß
Als die Sonne langsam durchkommt, wird das Thema Frischluft aktuell. Im Porsche öffnet sich das Verdeck elegant während der Fahrt. In der Exige wäre das ebenfalls möglich, wenn auch deutlich rustikaler…
Letztlich halten wir an und öffnen klassisch – beide mit dem Ziel, den trockenen Abschnitt des Tages auch oben ohne zu genießen.
Endlich wieder Strecke
Ab dem frühen Nachmittag wird die Streckenqualität wieder besser. Die Route führt in die Vulkaneifel, der Verkehr nimmt ab, der Belag verbessert sich. Ein versöhnlicher Abschluss. Wären da nicht die unzähligen Umleitungen: Teils angekündigt, teils spontan. In Summe werden wir rund 20-mal zur Routenänderung gezwungen.

Eine der Sperrungen ignorieren wir – mit Erfolg. Wir kommen ein paar km weit, dann ist der Weg versperrt. Nach etwa fünf Minuten Diskussion mit zwei Bauarbeitern, die mit ihrem Lastwagen die gesamte Straße blockieren, wird dieser für uns zur Seite gefahren. Die Teerdecke ist frisch, aber offenbar befahrbar.
Walkie-Talkies: Die Entdeckung der Tour
Nach gefühlt fünfzehn Roadtrips haben wir es dieses Jahr endlich geschafft, ein Kommunikationsmittel einzusetzen, das schon bei den ersten Kilometern einen klaren Mehrwert lieferte: Walkie-Talkies.
Wo sonst wilde Handzeichen, Lichthupe und fragende Blicke über Rückspiegel und Seitenfenster für mehr Missverständnisse als Klarheit sorgten, herrschte nun fast schon Funkdisziplin – mit gelegentlichen Ausreißern in Richtung improvisierter Comedy. Hinweise zu Schlaglöchern, “Drempeln”, Ankündigungen von (verpassten) Richtungswechseln oder einfach nur ein spontaner Kommentar zur französischen Straßenbaupolitik: Die Walkie-Talkies machten alles mit.

Schnell wurde klar: Die kleinen Geräte waren die heimlichen Stars unserer diesjährigen Tour. Nicht wegen der Technik, sondern weil sie aus zwei getrennt fahrenden Autos eine gemeinsame Geschichte machten – in Echtzeit.
Ankunft mit Kuchen – und der Tank ist auch noch voll
Gegen 15:00 Uhr erreichen wir Düren. Der Empfang ist herzlich – Kaffee, Kuchen, ein paar kurze Geschichten vom Tag. Der Boxster bekommt noch eine Wäsche, die Exige darf sich zumindest im Schatten abkühlen. So endet die Tour aufgeräumt und trocken.

Statistiken & Kleingedrucktes
- Gesamtstrecke: 1.428 km
- Durchschnittliche Fahrzeit pro Tag: ca. 8:15 Stunden
- Baustellenbedingte Umleitungen: ca. 20
- Ignorierte Sperrungen: mindestens 4
- Ungeplante Bekanntschaften:
- 1 sportlich fahrender MX-5-Pilot
- 2 Bauarbeiter mit Verständnis
- 1 schweizer Passbremse
- 1 fahrradfahrendes britisches Pärchen mit Benzin im Blut
- Kulinarischer Höhepunkt: Elsässer Eintopf mit drei Fleischsorten (Tag 3)
- Verpasst: Col de la Schlucht im Trockenen erleben
- Zitat des Trips: „Ich kann riechen, wenn du Vollgas gibst.“

Fazit

Vier Tage auf teils spektakulären, teils überraschend unspektakulären Strecken. Der dritte Tag stellt unsere Geduld auf die Probe – der vierte bringt dafür einen versöhnlichen Ausklang. Kurven, Wetter und Navigation waren nicht immer auf unserer Seite, aber unterm Strich bleibt: Zwei Sportwagen, eine gute Portion Improvisation, und am Ende deutlich mehr Geschichten als geplant.























